Selbstversuch: Unsere Familie ertrinkt im Plastik

„Möchten Sie noch eine Plastiktüte?“, fragt mich der nette Apotheker. Ohne gross nachzudenken, sage ich, „gerne“. Fünfzehn Minuten später bin ich bereits zu Hause und das Plastiksäckchen wandert in den Mülleimer. Die durchschnittliche Nutzungsdauer einer Plastiktüte beträgt ungefähr 25 Minuten.

Plastik: Ein Fluch und ein Segen

Plastik, ein Fluch und Segen zugleich. Dieser Kunststoff ist so vielseitig einsetzbar und ein Leben ohne Plastik schlicht unvorstellbar. Jedoch bringt Plastik auch Probleme mit sich. Bei der Herstellung wird Erdöl benötigt und die meisten Plastikarten zerfallen nur sehr langsam. So braucht zum Beispiel eine Shampooflasche 450 Jahre bis sie sich abgebaut hat. Wenn ich mir vorstelle, dass meine Shampooflasche noch weitere 18 Generationen überlebt, stimmt mich das nachdenklich. Wir ersticken an unserem Müll.

„So braucht zum Beispiel eine Shampooflasche 450 Jahre bis sie sich abgebaut hat.“

Jeder kennt die Bilder, die einen Plastikberg im Meer zeigen und darunter leiden vor allem die marinen Lebewesen. Fische verfangen sich in Plastiksäcken oder sehen kleine Plastikpartikel als Futter an. Dieses Verwechseln mit Futter ist bei den Seevögel eine grosse Problematik. Sie füllen ihre Mägen mit Plastik und stillen so ihr Hungergefühl. Wie wir aber alle wissen, hat Plastik null Nährstoffe und somit verhungern sie sprichwörtlich mit vollem Magen.
Japanische Forscher zeigten auf, dass beim Zersetzungsprozess giftige Stoffe (z.B. Bisphenol A, um Eine zu nennen) freigesetzt werden. Sie reichen sich in der Nahrung der marinen Lebewesen an und beeinflussen somit das Erbgut und den Hormonhaushalt dieser Arten. Wir wiederum essen diese Fische und somit auch die toxischen Stoffe.

Plastik braucht eine Ewigkeit, bis es sich einigermassen zersetzt hat. Wohin also mit dem ganzen Müll? Wäre es nicht einfacher per se weniger Abfall zu produzieren?

Der Selbstversuch

Wenn ihr auf Instagram nach #zerowaste sucht, werdet ihr schnell wunderbare Menschen finden, welche ihren Abfall in einem Marmeladenglas aufbewahren können. Sie leben den Zerowaste-Lifestyle!
Und da bin ich nun und trage gefühlt jeden zweiten Tag einen 35-Liter-Abfallsack zum Abfallsackdepot. Okay, okay, ihr habt recht. Grösstenteils trägt ihn mein Mann raus. Aber das ist hier nicht der Punkt. Wie kommt es, dass wir als vierköpfige Familie so viel Müll produzieren?
Ich habe vier ganze Wochen lang, Plastikmüll behalten, jedoch PET und Windeln nicht dazugezählt. Nach diesen vier Wochen war ich um 3.6kg Plastik reicher. Mir ist aufgefallen, dass praktisch fast alles in Plastik verpackt ist. Sei es der Deckel der Hafer- oder Kuhmilch, der Plastik um die Bio-Gurke, das Joghurt oder der Brotsack. Was tun?
Ich möchte in der Zukunft vermehrt auf dem Markt einkaufen und meine eigenen Stoffbeutelchen mitnehmen. Vermehrt beim Brot auf den Brotsack, welchem häufig Plastik beigesetzt ist, verzichten und meinen eigenen Brotsack verwenden.


Auch im Badezimmer ist Veränderung angesagt, denn auch da: Plastik, Plastik, Plastik wohin man sieht. Sei es das Wattestäbchen, die Zahnbürste oder das Haarshampoo.
Auch da gibt es gute Alternativen. Es gibt Bambuswattestäbchen und Bambuszahnbürsten, die ich von nun an verwenden möchte. Ebenfalls bin ich eine Haarseife und eine Körperseife am Testen. Berichterstattung folgt selbstverständlich.
Es ist alles ein langsamer Prozess, welcher nicht von heute auf morgen geschieht. Aber dieser Selbstversuch hat mich wieder einmal mehr sensibilisiert, wieviel Müll wir tagtäglich produzieren und dass wir daran dringend was ändern müssen.

In diesem Sinne: „Be the change that you wish to see in the world.“

(Quellen: wikipedia.org, global200.at, oeko-fair.de, tagesanzeiger.ch)

3.6kg Plastikmüll in vier Wochen